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27. August 2026

Montenegro ist mehr als Sommer

Über 40 Prozent aller Übernachtungen in Montenegro fallen auf Juli und August. Rechnet man Juni und September dazu, sind es 60 bis 65 Prozent. Vier Monate tragen also fast zwei Drittel des Jahres. Das ist keine Randnotiz für die Statistik, sondern die Zahl, an der die Rentabilität der meisten Küstenhäuser hängt.

Warum der Sommer allein nicht reicht

Die Auslastungskurve eines typischen Küstenhauses ist extrem. Im Hochsommer liegt sie bei 80 bis 95 Prozent, in den Wintermonaten fällt sie häufig unter 25 bis 30 Prozent. Im Norden des Landes rutscht sie im Winter teils in den einstelligen Bereich.

Entscheidend ist, was das betriebswirtschaftlich bedeutet. Ein gehobenes Küstenhaus braucht überschlägig 55 bis 60 Prozent Jahresauslastung, um eine EBITDA-Marge über 25 Prozent zu tragen. Viele Betriebe erreichen das nur, indem sie im Sommer nahe an der Kapazitätsgrenze fahren und im Winter Verluste oder Nullmargen auffangen.

Unterhalb von 30 Prozent Auslastung dominieren die Fixkosten die Kostenstruktur. Gebäude, Versicherung, Kernmannschaft und Instandhaltung laufen weiter, unabhängig davon, ob zehn oder hundert Zimmer belegt sind. Der Sommer finanziert dann den Rest des Jahres, statt Gewinn zu sein.

Daraus folgt eine Rechnung, die viele unterschätzen: Jeder zusätzliche Betriebsmonat wirkt überproportional auf das Ergebnis, weil die Fixkosten bereits bezahlt sind. Der Deckungsbeitrag der Nebensaison ist deshalb oft höher als der des Hochsommers, auch bei niedrigerem Zimmerpreis.

Eine Modellrechnung

Die Zahlen unten sind bewusst ein Modell und keine Kennzahl eines realen Hauses. Sie zeigen aber die Logik, um die es geht, und lassen sich mit den eigenen Werten in einer halben Stunde nachrechnen.

Angenommen, ein Haus mit 50 Zimmern hat im geschlossenen Monat 40.000 Euro Fixkosten, die ohnehin anfallen. Öffnet es im Oktober mit 35 Prozent Auslastung, also rund 540 belegten Zimmernächten, und erzielt 90 Euro Zimmerumsatz, kommt es auf etwa 48.600 Euro. Davon gehen die variablen Kosten der Öffnung ab, Personal, Energie, Wareneinsatz, sagen wir 30.000 Euro.

Ergebnis: rund 18.600 Euro Deckungsbeitrag gegenüber einem geschlossenen Monat. Nicht weil die Auslastung gut wäre, sie ist mit 35 Prozent schwach, sondern weil die Fixkosten ohnehin laufen. Genau dieser Effekt wird übersehen, wenn ein Betrieb die Nebensaison nur an der Auslastungszahl misst statt am Deckungsbeitrag.

Die Rechnung kippt erst, wenn die variablen Kosten den Zusatzumsatz übersteigen. Wo diese Schwelle im eigenen Haus liegt, ist die wichtigste Zahl der ganzen Diskussion, und die meisten Betriebe kennen sie nicht.

Die Nachfrage ist da, sie ist nur anders

Der häufigste Einwand lautet, ausserhalb des Sommers komme niemand. Die Zahlen widersprechen dem in einem wichtigen Punkt. In den ersten vier Monaten 2026 gingen die ausländischen Ankünfte zurück, die inländischen dagegen stiegen. Der heimische Gast reist in der Nebensaison, wenn ihm jemand einen Grund gibt.

Dazu kommt die strukturelle Entwicklung im Land. Kolašin baut mit neuen Resortprojekten eine alpine Ganzjahresdestination auf. Die Nationalparks verzeichnen steigende Besucherzahlen. Wellness-, Genuss- und Aktivreisende entdecken Montenegro zunehmend auch jenseits von Juli und August.

Der Punkt ist: Es handelt sich nicht um dieselben Gäste in einem anderen Monat. Es ist eine andere Zielgruppe mit anderen Erwartungen. Wer im Oktober mit dem Sommerangebot wirbt, wirbt am Bedarf vorbei und schliesst dann folgerichtig, weil niemand bucht.

Vier Monate werden nicht über Nacht zu sieben

Realistisch ist ein schrittweiser Ausbau, kein Sprung. Wer heute von Juni bis September geöffnet hat, zielt zuerst auf Mai und Oktober, also die Schulterwochen mit dem angenehmsten Klima des Jahres. Das sind zwei zusätzliche Monate mit vergleichsweise geringem Risiko, weil Personal und Lieferanten ohnehin verfügbar sind.

Erst danach wird über November bis April nachgedacht, und dort meist nicht mit Vollbetrieb, sondern mit definierten Zeitfenstern: verlängerte Wochenenden, Gruppen, Seminare, Feiertage. Ein Haus, das im Winter an zwanzig gut belegten Tagen offen ist, verdient mehr als eines, das an neunzig Tagen halb leer heizt.

Der wirkungsvollste Nebeneffekt betrifft das Team. Sieben Monate Betrieb erlauben Jahresverträge statt Saisonverträge. Genau daran scheitert in Montenegro derzeit die Personalgewinnung, wenn vier Monate Vollgas acht Monaten ohne Einkommen gegenüberstehen. Wer die Saison verlängert, löst nicht nur ein Auslastungsproblem, sondern auch das Fachkräfteproblem, an dem die ganze Branche arbeitet.

Drei Schritte für Ihr Haus

  • Rechnen Sie Ihre Fixkosten pro geschlossenem Monat aus. Nicht schätzen. Gebäude, Kapitaldienst, Versicherung, Kernmannschaft, Instandhaltung. Diese Zahl ist die Messlatte, gegen die jedes Nebensaison-Angebot antritt. Sehr oft ist sie niedriger als gedacht, und die Öffnung rechnet sich früher als erwartet.
  • Definieren Sie eine Zielgruppe pro Zusatzmonat. Nicht den Gast allgemein, sondern konkret: Wanderer im Oktober, Seminargruppen im November, Kurzurlauber über die Feiertage. Ein Monat, eine Zielgruppe, ein passendes Angebot. Alles andere führt zu leeren Zimmern zum Sonderpreis.
  • Bauen Sie ein Paket mit einem Partner vor Ort. Drei Nächte plus ein Erlebnis, das der Gast im Sommer so nicht bekommt. Bootsfahrt, Weinverkostung, geführte Wanderung. Der Partner bringt sein Publikum mit, die Reichweite kostet Sie nichts, und das Angebot lässt sich in wenigen Tagen zusammenstellen.

Die Saison zu verlängern ist keine Frage des Wetters, sondern des Betriebsmodells. Die Häuser, die heute damit anfangen, haben in drei Jahren ein Team, das bleibt, und eine Auslastungskurve, die das Jahr trägt statt nur den Sommer.

Quellen: Saisonanteile, Auslastungsbänder und Break-even-Schwelle: Montenegro Business, Growth without depth and the economics of seasonality. Ankünfte Januar bis April 2026 und Inlandsnachfrage: Montenegro Business sowie MONSTAT.