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20. August 2026

2,7 Millionen Gäste: Montenegros Rekordjahr 2025

Montenegro hat 2025 so viele Ankünfte verzeichnet wie nie zuvor. 2.728.564 Gäste, ein Allzeitrekord. Im selben Jahr sind die Übernachtungen gesunken. Wer nur die erste Zahl liest, feiert ein Rekordjahr. Wer beide liest, sieht eine Strukturfrage, die für jeden Hotelbetrieb an der Küste unmittelbar wirtschaftlich ist.

Mehr Gäste, weniger Nächte

Die amtlichen Zahlen des Statistikamts MONSTAT zeigen für 2025 gegenüber dem Vorjahr ein Bild, das sich nicht in einer Schlagzeile zusammenfassen lässt.

20242025Veränderung
Ankünfte2.606.8542.728.564+4,7 %
Übernachtungen15.594.29915.367.166−1,5 %
Aufenthaltsdauer5,98 Nächte5,63 Nächte−0,35 Nächte

Rund vier Prozent mehr Gäste, anderthalb Prozent weniger Nächte. Der durchschnittliche Aufenthalt ist innerhalb eines Jahres um gut ein Drittel einer Nacht kürzer geworden. Das klingt nach wenig. Hochgerechnet auf ein Haus mit 60 Zimmern und 70 Prozent Sommerauslastung sind das mehrere hundert Logiernächte pro Jahr, die schlicht fehlen.

Ein kürzerer Aufenthalt kostet doppelt. Der Umsatz pro Gast sinkt, und gleichzeitig steigen die Kosten, weil mehr An- und Abreisen mehr Reinigung, mehr Check-in, mehr Verwaltung bedeuten. Ein Haus, das 2025 dieselbe Auslastung wie 2024 gehalten hat, hat dafür also mehr gearbeitet.

Wo die Nächte wirklich liegen

Die aufschlussreichste Zahl der gesamten Statistik steht in Tabelle 1 der MONSTAT-Meldung und wird selten zitiert. Sie betrifft die Verteilung zwischen Hotellerie und privater Vermietung.

AnkünfteÜbernachtungenAufenthalt
Hotels, Pensionen, Resorts55,1 %33,8 %3,45 Nächte
Private Unterkünfte44,9 %66,2 %8,32 Nächte

Die Hotellerie empfängt also mehr als die Hälfte aller Gäste des Landes, verbucht aber nur ein Drittel der Nächte. Der private Vermieter behält seinen Gast im Schnitt mehr als doppelt so lange. Reine Hotels kommen auf 24,4 Prozent aller Übernachtungen in Montenegro.

Daraus lässt sich zweierlei lesen. Erstens ist die private Vermietung kein Randphänomen, sondern der grössere Teil des Marktes. Zweitens, und das ist die eigentliche Nachricht, liegt das Wachstumspotential der Hotellerie nicht in mehr Ankünften. Es liegt in längeren Aufenthalten und in dem, was während des Aufenthalts an Wertschöpfung entsteht.

Drei Gemeinden, zwei Märkte

Die Konzentration ist in beide Richtungen hoch. Räumlich entfallen 92,6 Prozent aller Übernachtungen auf die Küste. Budva allein trägt 32,3 Prozent, zusammen mit Herceg Novi und Bar sind es 64,6 Prozent. Die Berge kommen auf 2,8 Prozent, die Hauptstadt auf 2,7 Prozent.

Bei den Herkunftsmärkten sieht es ähnlich aus. Serbien und Russland stellen zusammen 39,8 Prozent der Übernachtungen ausländischer Gäste. Der deutschsprachige Markt liegt mit 4,6 Prozent deutlich dahinter, bleibt aber wirtschaftlich interessanter, als der Anteil vermuten lässt: Er reist kürzer, im Schnitt 4,6 Nächte gegenüber 11,8 Nächten aus Russland, und ist damit typischer Hotelgast statt typischer Langzeitmieter.

Für einen einzelnen Betrieb heisst das: Zwei Märkte tragen fast zwei Fünftel des Landesgeschäfts. Wer seine eigene Gästestruktur nie ausgewertet hat, kennt sein Klumpenrisiko nicht.

Was 2026 bereits zeigt

Die ersten vier Monate 2026 liefern ein erstes Signal. Landesweit gingen die Ankünfte um 2,8 Prozent zurück, die Übernachtungen um 2,2 Prozent. In den Kollektivunterkünften, also der Hotellerie, fiel der Rückgang deutlicher aus: 3,9 Prozent weniger Ankünfte und 6,7 Prozent weniger Übernachtungen.

Die Hotellerie verliert also stärker als der Gesamtmarkt, und sie verliert vor allem Nächte. Eine Zahl geht in die andere Richtung: Die inländischen Ankünfte sind im selben Zeitraum gestiegen. Der heimische Gast reist in der Nebensaison, wenn ihm jemand einen Grund gibt.

Was die private Vermietung besser macht

Acht Nächte gegenüber dreieinhalb, dieser Unterschied hat wenig mit Qualität zu tun und viel mit dem Angebotsmodell. Die private Unterkunft verkauft Selbstversorgung, Platz für die Familie und einen Preis, der bei zwei Wochen nicht ins Gewicht fällt. Sie ist damit für den Langzeitgast gebaut, während das Hotel für den Kurzaufenthalt optimiert ist.

Daraus folgt aber nicht, dass die Hotellerie das nachahmen soll. Ein Haus, das über den Preis in den Langzeitmarkt geht, verliert seine Marge, ohne die Struktur dafür zu haben. Der interessantere Weg führt über den Grund für die Verlängerung. Wer im Haus etwas anbietet, das es draussen nicht gibt, eine Verkostung, eine geführte Wanderung, einen Abend mit einem Produzenten aus der Region, verkauft die vierte Nacht über den Inhalt und nicht über den Rabatt.

Genau an dieser Stelle liegt die Lücke im montenegrinischen Markt. Zwischen den internationalen Luxushäusern und der privaten Vermietung fehlt weitgehend das solide Mittelfeld, das persönlichen Service und ein eigenes Profil verbindet. Das ist keine Schwäche des Landes, sondern die grösste unbesetzte Position darin.

Drei Schritte für Ihr Haus

  • Aufenthaltsdauer messen, nicht schätzen. Ziehen Sie die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der letzten drei Jahre aus Ihrem System, getrennt nach Herkunftsmarkt und Monat. Sie werden sehen, wo sie gesunken ist. Ohne diese Zahl lässt sich keine Massnahme bewerten.
  • Gästestruktur auf Klumpenrisiko prüfen. Wenn zwei Märkte mehr als die Hälfte Ihrer Nächte tragen, ist das kein Erfolg, sondern eine Abhängigkeit. Ein dritter Markt muss nicht gross sein, er muss nur anders schwanken.
  • Ein Angebot bauen, das die Nacht verlängert. Nicht den Preis senken, sondern einen Grund für die vierte und fünfte Nacht schaffen. Ein Ausflug, ein Erlebnis, eine Zusammenarbeit vor Ort. Das ist der günstigste Umsatz, den ein Haus machen kann, weil das Zimmer ohnehin steht.

Der Rekord von 2025 ist echt. Er ist nur kein Ruhekissen. Die Betriebe, die jetzt an Aufenthaltsdauer und Gästestruktur arbeiten, entscheiden damit über ihre Erträge 2027, nicht über die von morgen.

Quellen: MONSTAT, Statistikamt Montenegro, Release 27-2/2026 vom 8. April 2026, Arrivals and overnights of tourists, total 2025 (Tabellen 1 bis 3). Zahlen zu Januar bis April 2026: SeeNews und Montenegro Business. Aufenthaltsdauer und Anteile sind aus den amtlichen Rohzahlen berechnet.